Reichenau an der Rax, 25. Juni 2025 – Rund 100 Expertinnen und Experten aus Politik, Gesundheitswesen, Sozialversicherung und Wissenschaft trafen sich am 24. und 25. Juni 2025 im Parkhotel Hirschwang zum 5. PRAEVENIRE Gipfelgespräch „Kinder- und Jugendgesundheit 2030“. Die zweitägige Veranstaltung, organisiert vom PRAEVENIRE Gesundheitsforum gemeinsam mit dem Förderverein Kinder- und Jugendlichenrehabilitation in Österreich, widmete sich intensiv der Frage, wie die Versorgung junger Menschen in Österreich nachhaltig verbessert werden kann.
Der erste Tag begann nach einer Begrüßung durch Markus Wieser, Obmann des Fördervereins Kinder- und Jugendlichenrehabilitation in Österreich, und einer Videobotschaft von Mag. Peter McDonald, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der ÖGK. Anschließend eröffnete die Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig das inhaltliche Programm mit einer Keynote zum Thema „Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen“. Sie zeigte auf, wie digitale Medien das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen prägen und welche Chancen, aber auch Risiken, damit verbunden sind. In der anschließenden Plenumsdiskussion wurde deutlich, dass der Umgang mit digitalen Angeboten in Zukunft noch stärker als Teil der Gesundheitsförderung gedacht werden muss.
Nach einer kurzen Pause folgte eine weitere Keynote von Dr. Georg Psota, Chefarzt des Kuratoriums für Psychosoziale Dienste in Wien. Unter dem Titel „Soforthilfe Handy-Rezept“ präsentierte er praxisnahe Ansätze, wie man psychischen Belastungen, die durch die ständige Verfügbarkeit digitaler Medien entstehen, begegnen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten angeregt, wie psychosoziale Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche in diesem Bereich verbessert und niedrigschwellig zugänglich gemacht werden können. Der erste Gipfeltag klang mit einem gemeinsamen Abendessen aus, das Raum für vertiefende Gespräche und Vernetzung bot.



Am zweiten Tag setzte die Veranstaltung mit einer Videobotschaft von Olivér Várhelyi, Kommissar für Gesundheit der Europäischen Kommission, ein starkes europäisches Signal. Várhelyi betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten und die Notwendigkeit gemeinsamer Strategien, um die Kinder- und Jugendgesundheit europaweit zu stärken. Im Anschluss fand eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion statt, in der Dr. Alexander Biach, Generaldirektor der Sozialversicherung der Selbständigen, Mag. Dr. Elisabeth Bräutigam, MBA, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur, Andreas Huss, MBA, stellvertretender Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse, Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig und Markus Wieser die aktuellen Herausforderungen und Handlungsfelder in der Versorgung junger Menschen beleuchteten. Die Diskussion machte deutlich, dass es dringend umfassender Präventionsstrategien, besserer Vernetzung der Versorgungsstrukturen und einer stärkeren Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bedarf.
Im weiteren Verlauf des Tages standen vertiefende Fachvorträge auf dem Programm. Univ.-Prof. Dr. Paul Plener von der MedUni Wien stellte neue Erkenntnisse zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vor, während Prim. Dr. Roland Berger die Chancen und Grenzen der Digitalisierung in der Pädiatrie erläuterte. Univ.-Lektor Mag. Dr. Manuel Schätzer von SIPCAN präsentierte Ansätze im Umgang mit Übergewicht, Diabetes und Adipositas im Kindesalter, und Dr. Eva-Maria Mostler vom medizinischen Dienst der ÖGK zeigte aktuelle Entwicklungen in der Kinder- und Jugendlichenrehabilitation auf. Prim. Assoc. Prof. Dr. Jutta Falger aus dem Kinderreha-Zentrum kokon Bad Erlach stellte den Praxisalltag vor.
Die Teilnehmenden arbeiteten diese Themen im Anschluss in kleineren Arbeitsgruppen weiter aus, um konkrete Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse im Plenum präsentiert, gemeinsam reflektiert und diskutiert. Sie bilden die Grundlage für das nächste PRAEVENIRE Jahrbuch, das die erarbeiteten Impulse und Strategien zur Kinder- und Jugendgesundheit bündeln und öffentlich zugänglich machen wird.



„Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen ein Gesundheitssystem, das ihre speziellen Bedürfnisse versteht und ihnen die besten Chancen für eine gesunde Zukunft eröffnet. Mit diesem Gipfelgespräch haben wir wichtige Impulse gesetzt, die wir nun weitertragen. In diesem Zusammenhang soll in Bad Vöslau ein ambulantes Kompetenzzentrum für Kinder errichtet werden, das präventive, multidisziplinäre und innovative Ansätze kombiniert. Geplant ist alle wichtigen Fachärztinnen und Therapeutinnen an einem Ort zu bündeln und mit 11 Ordinationen und 3 Therapieräumen bis zu 120 Kinder pro Tag versorgen zu können“, resümierte Markus Wieser in seinem Abschlussstatement.
Die intensive Zusammenarbeit und der offene Austausch der rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten deutlich, wie wichtig interdisziplinäre Lösungen sind, um die Gesundheit junger Menschen langfristig zu sichern. Mit dem fünften PRAEVENIRE Gipfelgespräch wurde ein klares Signal für eine zukunftsorientierte Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich gesetzt.
